Thema: "Führen oder geführt werden?"
Hallo, ihr da!
Ich habe es schon immer gewusst. Die Menschen als Bosse haben einen Dachschaden. Sorry, scheint aber so zu sein.
Die können nicht führen. Da macht Mitarbeiten kein Spaß. Die Menschen von der Proudfoot Consulting wollen sogar
bewiesen haben, dass 175 Milliarden Euro per anno in Deutschland verpulvert werden, weil die Chefs versagen.
Produktivitätsverschwendung nennen sie das.
Da gibt es die Cheftypen, deren Wahn es ist, alles zu kontrollieren. Die pflegen ihr penibles Misstrauen.
“ Ich traue keinem über den Weg“. Andere Bosse kaschieren ihren planlosen Egoismus als unberechenbare Spontis:
„Was gehen mich meine Anweisungen von gestern an?“
Eines können scheinbar nur Wenige: Ziele setzen und motivieren. Danke sagen: „Auf keinen Fall“! Das können doch
nicht alles Schwaben sein: „Nix gesagt ist genug gelobt!“ Visionen haben und leben: „Ich bin doch nicht
verrückt!“
Eine ganz tolle Type ist der Demokräterle-Spieler-Chef. Der überlässt es lieber den Mitarbeitenden Ziele und
Entscheidungen zu treffen. Er bildet einen Arbeitskreis und lässt sie machen. Bravo! Zuerst spielen die
Menschen in der Gruppe Gruppendynamik. Dann zerfleischen sie sich so, dass keiner mehr mit dem anderen spricht
und keine mehr mit keiner. Wenn es dann so richtig hoch her geht, wird die allseits beliebte Mobbing-Technik
erprobt. Schließlich macht Mobbing Macht.
Da ist mir der Besserwisser-Chef am liebsten: Der ist hoch hinauf geflogen, hat die Erdung mit der Praxis
verloren und weiß alles besser. Klar, er hat ja die Übersicht. Oder?
„Nett to have“ ist der knallharte Chef-Typ, sicherlich im besseren Denglisch. Der ist wenigstens berechenbar.
Für den zählen die Zahlen. Die mitarbeitenden Mitmenschen sind gewinnbringendes Humankapital, kapitalvermehrende
Ressourcen. Na, diese Chefs setzen wenigstens Ziele.
Einer wird wenigstens geliebt. Von sich selbst. Der selbstverliebte Narzist. Der will Erfolg und Status,
Titel und Gloria. Seine Firma heißt „ICH“. Teilweise sind diese Typen sogar mit einer ansteckenden
Begeisterungsfähigkeit ausgerüstet. Aber wehe, wenn es nicht klappt und nicht alle mitmachen
und ihn bewundern.
Dann ist er nach einer himmelhochjauchzenden Euphorie in die zu Tode betrübte Stimmung abgeglitten.
Sind Chefinnen anders? Nein, sie sind anders anders, besonders dann, wenn ihnen gerade mal wieder einer am Stuhlbein sägt.
Ach ja, fragt sich da eine einsam im blauen Himmel segelnde Möwe: Warum sind die
Chefs so? Haben sie Führung nie gelernt? Die Antwort weiß ich: Siehe oben!
Eure Möwe
P.S. der Mensch Wolfgang Kroeber will unbedingt, dass ich schreibe, meine Weisheit stamme aus den Studien Proudfoot Consulting. Na, dann: Süddeutsche Zeitung, Wissen, 06/2008, Schlechte Chefs, S. 222ff